Das Ihmezentrum wird von vielen Hannoveranern, ganz besonders auch von Journalisten abgelehnt. Konkrete Gründe dafür sind nicht einfach zu erfassen, da meist sehr pauschal argumentiert wird. Auswärtige Besucher äußern sich in der Regel deutlich positiver über das Objekt. In den vorhandenen 800 Wohnungen gibt es keine Leerstände, also wohnen und leben Menschen hier offensichtlich gerne. Dieser Widerspruch soll einmal näher betrachtet werden. Dabei wird der Zustand der Ladenpassage sowie der gewerblich genutzten Bereiche überwiegend beiseite gelassen.
Über das Ihmezentrum werden seit Jahren Vorurteile und Halbwahrheiten verbreitet. In dieser Zusammenfassung wird der Versuch gemacht, das Ihmezentrum für Außenstehende transparenter zu machen. Dabei wird Positives und Negatives zu betrachten sein, weil man das Ihmezentrum nur dann fair beurteilen kann, wenn man über dieses außergewöhnliche Bauwerk richtig informiert ist. Marianne Adrian hat in einem ihrer Artikel einmal sehr treffend gesagt, „wer beim Ihmezentrum nur Beton sieht, hat nicht richtig hingesehen“.
Es ist ein Beitrag über das „Wohnen und Leben im Ihmezentrum“, eine Zusammenfassung über das Ihmezentrum aus Bewohnersicht. Da es im Ihmezentrum 800 Eigentumswohnungen gibt, muss bereits am Anfang differenziert werden. Es gibt sehr viele Wohnungseigentümer, die selber in ihren Wohnungen leben und es gibt Eigentümer, die ihre Wohnungen vermietet haben. Diese Mieter können sich eine neue Wohnung suchen, wenn ihnen das Umfeld nicht mehr gefällt, für Eigentümer sieht das etwas anders aus.
Daher wird überwiegend auf den Bereich der Wohnungseigentümer eingegangen. Es soll erklärt werden, warum dieser Personenkreis gerne im Ihmezentrum wohnt, warum sie Geld investiert und sich Wohnungen in dieser „Betonburg“ gekauft haben. Es soll aber auch erläutert werden, welche Probleme sich aus der Tatsache ergeben, dass diese Kleineigentümer mit allen Konsequenzen eine Mitverantwortung für das Ihmezentrum tragen.
Sie kennen das allgemein bekannte Vorurteil „im Ihmezentrum kann man doch nicht wohnen“. Sie haben sicher schon oft unfreundliche Kommentare über das Ihmezentrum gehört und gelesen. „Man“ weiß eben, dass es im Ihmezentrum hässliche Hochhäuser, chaotische Zustände, Drogenabhängige, Penner, Wohnungsprostitution, Kriminalität gibt, kurz gesagt alles Schlechte, was man sich so vorstellen kann. Stimmt das wirklich oder ist auch das wieder eine Voreingenommenheit?
Wer im Ihmezentrum wohnt, kennt abfällige Blicke, wenn man zu neuen Bekannten, auf einer Party, in einem Geschäft oder bei einer Behörde sagt „ich wohne im Ihmezentrum“. Und wenn man dann noch erklärt, dass man im Ihmezentrum eine Wohnung gekauft hat und gerne hier wohnt, erntet man häufig ein ungläubiges Kopfschütteln.
Wenn ein Besucher dann allerdings zum erstenmal eine Wohnung im Ihmezentrum betritt, ändert sich die Situation. Außenstehende glauben oft, dass die Wohnungen alle ähnlich sind, das ist aber ganz anders. Im Ihmezentrum gibt es an Wohnraum fast alles, vom Einzimmer-Appartement bis zur Fünfzimmer-Wohnung, von der Maisonette bis zum Penthouse über mehrere Etagen, alles ausgestattet mit Balkons, Loggien oder Terrassen mit Pergolen. Dazu kommt die sehr großzügige Raumaufteilung. Alle Wohnungen sind außerdem so gestaltet, dass ohne Schwierigkeiten Wände versetzt und vorhandene Flächen nach Bedarf verändert werden können.
Bereits vor Beginn der Konzeptionen für das Ihmezentrum wurden die Kaufinteressenten auf einem vierseitigen Fragebogen nach ihren Vorstellungen von zeitgemäßem Wohnraum gefragt. Erst danach wurden die Planungen in den für das Wohnen vorgesehenen Häusern vorgenommen. Kleine Details am Rande zeigen, dass man sich dabei viele Gedanken über moderne Wohnqualität gemacht hat. Es wurde beispielsweise sogar eine Broschüre für die zukünftigen Bewohner erstellt, in der Bepflanzungsvorschläge für die Balkons ausgearbeitet waren.
Sie sehen, eine Entscheidung für das Wohnen im Ihmezentrum ist bei der Auswahl an Wohnraum und Gestaltungsmöglichkeiten nicht schwer. Dazu kommen überall die phantastischen Ausblicke auf die Stadt, auch das findet man in Hannover so schnell nicht noch einmal. Eine schöne Aussicht und gute Grundrisse allein sind aber noch keine ausreichenden Argumente für einen Wohnungskauf, etwas mehr muss schon dazukommen.
Und da gibt es im Ihmezentrum viele attraktive Dinge. Zuerst einmal die zentrale Lage mit optimaler Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, Parkdecks direkt unter den Wohnungen, kurze Wege zu Fuß oder per Fahrrad zum Maschsee, den Herrenhäuser Gärten oder in die Innenstadt. Dazu der Fluss und der Zugang zu einer 11 km langen Grünanlage direkt vor der Haustür. Die Ruhe und Abgeschirmtheit der Wohnbereiche von Verkehrslärm und Abgasen, Platz für Kinder.
Und es gab bis vor einiger Zeit fast alle Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Haustür. Mit dem Einkaufswagen von der Supermarktkasse direkt an den heimischen Kühlschrank. Alles, was man zum täglichen Leben braucht, war jahrelang schnell und einfach zu erreichen. Solche Argumente für den Kauf einer Wohnung sollten Sie nicht unterschätzen. Bewohnern gefällt am Ihmezentrum auch, dass sie im Alter ihre Wohnungen halten können, weil die Umgebung problemlos durch Fahrstühle oder Schrägen erreichbar ist. Ein großer Teil der Wohnungen und Zugänge ist behindertengerecht gebaut. Aber Sie merken auch, es muss differenziert werden zwischen dem, was immer noch gut ist und dem, was einmal gut war und wieder besser werden soll.
Grundlage für die Planungen des Ihmezentrums war die Vision vom modernen Wohnen in der Stadt, verbunden mit einer Entlastung der Innenstadt. „Ein Brückenkopf der City in Linden“ war geplant, die Stadtverwaltung wollte neue, gutverdienende Familien nahe der Innenstadt ansiedeln, dazu bot sich das ehemalige Industriegelände an. Finanzielle Interessen haben leider dazu geführt, dass sich vieles, was zweckmäßig und gut geplant war, völlig anders entwickelt hat.
Schon eine Betrachtung von Veränderungen, die sich während der Planungsphase ergaben, müsste allen Kritikern zu Denken geben. Zuerst kaufte die Stadt mehrere nicht mehr genutzte Industriegrundstücke auf, um diesen Brückenkopf der City zu verwirklichen. 1966 verzichtete die Verwaltung dann aus Geldmangel auf einen schon ausgeschriebenen Wettbewerb, der die innovativen Ideen für einen städtebaulichen Komplex von 35.000 qm Geschossfläche bringen sollte. Dieses Projekt sollte zu 35 % aus Wohnungen, zu 55 % aus Büroflächen und nur zu 10 % aus Ladenflächen bestehen. Schließlich entschied sich die Bauverwaltung 1967 dann doch für den Verkauf des Geländes an einen Bauträger, da ein Projekt in der geplanten Größenordnung anders nicht finanzierbar war.
In den nächsten Jahren wurde dann immer größer und gewaltiger geplant. Als 1969 endgültig die Citybau den Zuschlag bekam, waren aus den ursprünglich vorgesehenen 35.000 qm Geschossfläche schon 213.000 qm geworden. Bei der Eröffnung 1974 hatte man dann endgültig 285.000 qm Bruttogeschossfläche erstellt. Aus den geplanten 12.000 qm Wohnfläche waren 70.000 qm geworden.
Aus heutiger Sicht ist es einfach zu sagen, das Ihmezentrum ist zu groß geraten, zu klotzig, zu wuchtig. Die ursprüngliche Idee war Urbanität durch Verdichten mit dem Schwerpunkt Wohnungen und Büros. Vom Bauträger und den beteiligten Architekten wurde das Projekt um das achtfache Volumen vergrößert, Kaufhäuser und Ladengeschäfte hatten in dieser Konzeption den Vorrang. Trotzdem wurde dieses übergroße Bauvorhaben von den hannoverschen Kommunalpolitikern mit einer Stimme Mehrheit genehmigt. Und wohl gerade deshalb wurde es von den Banken überhaupt finanziert.
In Presseartikeln aus dieser Zeit kann man nachlesen, wie begeistert in der Anfangszeit über dieses außergewöhnliche, für ganz Deutschland, ja europaweit einmalige Bauvorhaben berichtet wurde. Dann geriet der Bauträger, die Citybau in Zahlungsschwierigkeiten, der schwarze Tag war der 09.03.1974. Auslöser war ein geplatzter Wechsel über 150.000 DM an eine Arbeitsgemeinschaft von Architekten. Nachdem 1974 das Einkaufszentrum eröffnet wurde, obwohl die Wohnungen und Büros noch nicht fertiggestellt waren, kam immer mehr Kritik auf. Von einem Tag zum anderen war nicht mehr von städtebaulicher Zukunft die Rede, jetzt distanzierten sich viele, die noch Wochen vorher begeistert von Projekt der „Stadt in der Stadt“ geschwärmt hatten.
Hierzu möchte ich Ihnen ein typisches Beispiel für den Wankelmut der Presse schildern. Bei der Eröffnung lobte eine Hannoversche Tageszeitung die äußerst gelungene Konstruktion des Parkdecks und die übersichtliche Ausschilderung. Schon ein Jahr später war es nach Ansicht der gleichen Zeitung eine Zumutung, in dem total unübersichtlichen Labyrinth ein Auto überhaupt wiederzufinden.
Alle Politiker haben es sich mit dem Ihmezentrum immer sehr einfach gemacht. Noch vor Baubeginn wurde vom Land die feste Zusage, die zwei neuen Finanzämter im Nordbereich zu bauen, rückgängig gemacht. Auch heute überlassen die Politiker die Verantwortung für diese „Stadt in der Stadt“ denjenigen, die hier Immobilien gekauft haben. Haben Sie sich eigentlich schon mal klar gemacht, dass alle Wege, Treppen, Bänke in dieser kleinen Stadt Privatbesitz sind und die Kosten für Unterhalt und Reinigung von den Eigentümern des Ihmezentrums bezahlt werden? Auch die ursprünglich vorgesehene Widmung der Wege durch das Ihmezentrum wurde von der Stadt nie verwirklicht. Eine nach der Fertigstellung durch die Stadt übernommene Kostenbeteiligung für Beleuchtung wurde Anfang der achtziger Jahre eingestellt.
Hier soll nicht weiter auf die Größe des Ihmezentrums eingegangen werden. Die Bauweise insgesamt ist jedenfalls von der Form her gelungen, das Ihmezentrum passt sich sehr ansprechend an das Ihmeufer an. Der oft kritisierte, sogenannte Burgcharakter könnte durch einige Umbaumaßnahmen mit großzügigen Öffnungen nach allen Seiten problemlos geändert werden, die Verwendung von Glas, Farbe und Kunst am Bau kann Wunder wirken. Ein gutes Beispiel dafür sind die Wohnhäuser am Ihmeufer.
Im Ihmezentrum gibt es heute nach diversen Umnutzungen ca. 800 Wohnungen mit etwa 50.000 qm Wohnfläche. Stellen Sie sich das am besten einmal in Form von Einfamilienhäusern mit Garten vor, da wären mit der nötigen Infrastruktur sehr schnell 500.000 qm Grundfläche verbaut. Das Ihmezentrum mit allen Wohnungen, den Geschäften, Büros, Parkflächen, Wegen und Plätzen konnte auf 50.000 qm, (was allein schon die Gesamtfläche der vorhandenen Wohnungen ist) errichtet werden. Auf jeden Fall spricht der sparsame Umgang mit Grundfläche in guter Lage für die Idee, Urbanität durch Verdichten zu erreichen.
Das ursprüngliche Verkaufsangebot dieser Wohnungen richtete sich an den sogenannten besserverdienenden Mittelstand. Für das Ihmezentrum entschieden sich Menschen, denen ein Häuschen im Grünen zu pflegeintensiv ist, die lieber lange Reisen machen, die beruflich viel unterwegs sein müssen. Typische Stadtmenschen, die zentral wohnen und auf kurzen Wegen die kulturellen Angebote einer Großstadt nutzen wollen.
Entwickelt hat sich durch die wechselvolle Geschichte der vergangenen 25 Jahre ein buntes Nebeneinander aus allen Bevölkerungsschichten. Bei der Menge von Wohnungen kann es leider nicht ausbleiben, dass durch eine kleinere Anzahl von Bewohnern das Erscheinungsbild eines ganzen Hauses negativ verändert wird. Das Haus Ihmeplatz 1, leider für viele Menschen und leider auch für die Presse gleichbedeutend mit „dem Ihmezentrum“, ist dafür zur Zeit ein trauriges Beispiel. Das Niveau war nicht immer so, in den siebziger Jahren wohnten in den in diesem Haus vorhandenen Ein- und Zweizimmerappartements hauptsächlich Studenten und alleinstehende ältere Menschen.
Um das Ihmezentrum besser zu verstehen, sollte man auch wissen, wie es rechtlich geordnet ist. Das Ihmezentrum ist eine große Eigentümergemeinschaft mit etwa 1000 Einzeleigentümern. Diese ist unterteilt in insgesamt 27 sogenannte kleine Eigentümergemeinschaften. Es handelt sich hierbei um 9 Eigentümergemeinschaften Wohnen, die aus insgesamt 14 Wohnhäusern mit teilweise eingegliederten Gewerbeeinheiten bestehen, dazu kommen die verschiedenen Ladeneinheiten, die Büros und das Parkdeck. Alle Gewerbeeigentümer zusammen bilden die kleine Eigentümergemeinschaft Gewerbe.
Der Umstand, dass für das gesamte Ihmezentrum das Wohnungseigentumsgesetz WEG gilt, ist problematisch. Die Citybau beabsichtigte mit diesem Projekt „die Schaffung eines lebensgerechten Raumes im Sinne einer funktionellen Einheit auf Eigentumsbasis, das gemeinschaftliche Interesse sollte sich positiv für das allgemeine Wohl“ auswirken. Eine solche Idee konnte wohl nur der Zeitgeist der späten 60er Jahre hervorbringen. Es wurde einfach ignoriert, dass Wohnungseigentümer und Geschäftsleute in der Regel sehr unterschiedliche Interessen haben und dass es auch nicht immer einfach ist, eine große Anzahl von Menschen zu gemeinsamen Entscheidungen zu veranlassen.
In den vergangenen 25 Jahren hat man es überraschenderweise immer wieder geschafft, die oft völlig unterschiedlichen Interessen von Gewerbe- und Wohnungseigentümern in einen Konsens zueinander zu bringen. Dies ist nicht zuletzt auch deshalb gelungen, weil von allen Beteiligten berücksichtigt wurde, dass aufgrund des Wohnungseigentumsgesetzes jeder Eigentümer, unabhängig von seinen Besitzverhältnissen, gleichberechtigt ist.
Für das Ihmezentrum insgesamt gibt es eine Verwaltung und einen Verwaltungsbeirat, der aus neun Mitgliedern besteht und dessen Zusammensetzung in der Teilungserklärung geregelt ist. Als Kontaktpersonen haben alle kleinen Eigentümergemeinschaften der Bereiche Wohnen Sprechergremien gewählt. Diese Sprecher haben für die Belange ihrer Häuser die Rechte und Pflichten von Verwaltungsbeiräten.
Entscheidungen trifft man im Ihmezentrum auf den jeweiligen kleinen und großen Eigentümerversammlungen nach sogenannten Stimmanteilen, die sich aus insgesamt 10 Millionen Miteigentumsanteilen ergeben. Die Teilungserklärung enthält Öffnungsklauseln, daher wird mit unterschiedlichen Mehrheiten abgestimmt.
In den vergangenen Jahren haben die Wohnungseigentümer Millionenbeträge für Betonsanierungen, technische Instandhaltungen und Erneuerungen ihrer Wohnhäuser investiert. Sie haben das getan, weil ihnen der Zustand der Immobile wichtig ist und sie an eine Zukunft des Ihmezentrums glauben. 1996 wurde auf der Eigentümerversammlung mit einer überwältigenden Mehrheit die Revitalisierung des Gewerbebereiches beschlossen. Seitdem wurde und wird von den jeweiligen Großeigentümern in regelmäßigen Abständen versichert, dass diese Revitalisierung unmittelbar bevorsteht.
Bis dahin bleibt den Bewohnern leider nur der Anblick einer verwahrlosten Einkaufspassage mit Blick auf leerstehende Ladeneinheiten, schlecht gereinigte Wege, rostende Armierungen an tragenden Teilen, stillstehende, marode Rolltreppen, ein verfallendes Parkdeck. Dazu als Aufmunterung für die letzten Passanten einige schöne Bilder an öden Schaufenstern die Hoffnung auf ein „Neues IhmeCenter“ machen sollen.
In diesem Zusammenhang sollte auch ein schwerwiegendes Problem angesprochen werden, dass von Wohnungseigentümern gerne beiseite geschoben wird und über das jeder, der ruhig schlafen möchte, auch besser nicht nachdenken sollte. Dieses Problem ist die Gemeinschaftshaftung gemäß WEG. Wohnungseigentümern war beim Erwerb ihrer Wohnung zwar klar, dass sie sich in die Verpflichtungen einer Eigentümergemeinschaft einkaufen. Dies ist nach der Meinung vieler Bewohner allerdings das Haus, in dem sich ihre Wohnung befindet. Nur wenige Wohnungseigentümer machen sich klar, dass „das Ihmezentrum“ auch bei der Haftung eine große Eigentümergemeinschaft ist. Jeder Einzelne ist durch den Kauf seiner Wohnung unwiderruflich in die Gemeinschaftshaftung für den gesamten Komplex, den man getrost einen kleinen Stadtteil nennen kann, eingebunden.
Seit dem Revitalisierungsbeschluss 1996 ist durch die lange Wartezeit inzwischen ein Sanierungsstau in einigen Bereichen des Ihmezentrums entstanden. Dieser wurde im sogenannten Drinhausen-Gutachten von 1999 bereits mit etwa 35 Mio. € beziffert. Die Kosten für die Sanierung dieser Bereiche müssen zum größten Teil von den Gewerbeeigentümern aufgebracht werden. Diese tun allerdings seit der Erstellung des Gutachtens überhaupt nichts, sondern verschieben dringend notwendige Sanierungsmassnahmen immer wieder mit dem Hinweis auf die unmittelbar bevorstehende Revitalisierung.
Falls diese Revitalisierung aber nicht bald zustande kommen sollte, muss die Sanierung der Bausubstanz auf jeden Fall erfolgen. Andernfalls ist abzusehen, wann die Sicherheit und Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet sind. Wenn dann die Liquidität der Gewerbeeigentümer nicht mehr vorhanden sein sollte, hätte das für die Wohnungseigentümer fatale Auswirkungen. Die erforderlichen Summen könnten von ihnen überhaupt nicht aufgebracht werden. Leider können sich Wohnungseigentümer als Privatpersonen gegen Forderungen, die sich aus der Gemeinschaftshaftung für das Objekt ergeben, ganz im Gegensatz zu Gewerbeeigentümern, auch nicht durch entsprechende Firmenkonstruktionen absichern.
Aber solche Dinge hört man im Ihmezentrum nicht so gerne, Hinweise darauf bleiben einigen kritischen Personen überlassen. Und das ist häufig die Bürgerinitiative Linden-Ihmezentrum BLIZ. Diese hat sich immer wieder in die Geschehnisse um das Ihmezentrum eingemischt und für Transparenz und die Weitergabe von Informationen nach innen und außen gesorgt.
Die BLIZ wurde am 2. September 1977, also vor fast 25 Jahren gegründet. Zu den Gründerinnen gehörte auch Frau Adrian. Auslöser war die unfaire Berichterstattung in der regionalen und überregionalen Presse. Aufeinander folgend hatten sich 1977 nicht nur alle örtlichen Tageszeitungen und der hannoversche Polizeipräsident, sondern auch „Der Spiegel“ und das Fernsehmagazin Monitor abwertend und negativ über das Ihmezentrum geäußert.
Da wurde erklärt, dass Kinder, die in einer Konstruktion wie dem Ihmezentrum aufwachsen, zwangsläufig zu kleinen Verbrechern herangezogen werden. Monitor verstieg sich 1977 in einem Beitrag zu der Äußerung „im Ihmezentrum wohnen nur Millionäre und Asoziale“. Als einige Zeit später über eine bessere Bewaffnung der Polizei diskutiert wurde, verlegte man in Planspielen ein kriegsähnliches Horrorszenario, garniert mit vielen Toten und Verletzten direkt ins Ihmezentrum.
Das damals entstandene schlechte Image hat das Ihmezentrum leider behalten, Journalisten machen sich nicht auch gar nicht die Mühe, genauer hinzusehen und sich über Zusammenhänge zu informieren. „Das Ihmezentrum“ wird gedankenlos, oft sogar völlig ohne Zusammenhang, als Synonym für Negatives benutzt.
Vielleicht werden Sie, angeregt durch diesen Artikel, Ihre Vorurteile über das Ihmezentrum einmal gründlich überdenken. Vergessen Sie nicht, das Ihmezentrum ist nicht vom Himmel gefallen, es wurde von Politikern, Architekten und Investoren als zukunftweisendes Projekt geplant und gebaut. Als es dann fertig dastand, wollte nur leider niemand mehr dafür verantwortlich gemacht werden.
Monika Großmann 12.05.2002
verfasst für "ReVisionen", eine Veranstaltung der
Architektenkammer Hannover am 28.05.2002